Liebe und Beziehung
17. Juli 2010Habe vorher nachgedacht, was mich prägte und prägt. Es ging dabei um das Streben nach materiellen Reichtümern. Wieso so viele - ich ja eingeschlossen (neuerdings) - so ein Verlangen danach verspüren.
Mir erschien das ganze bis vor etwa einem Jahr immer so vergänglich, aber vorher dachte ich eben, ob es vielleicht an dem liegt, was ich gelernt habe. Mein Denken war, seit ich beginne erwachsen zu werden, auf geologische Zeiträume, auf Baumalter und Waldgenerationen ausgerichtet. Mit dem kurzen Leben, meinem Eigenen, meinen Zielen habe ich mich sehr wenig beschäftigt.
Eigentlich schien es mir immer klar. Mein größter Traum war eine kleine Familie. Ein Ruhepol in dieser Welt. Nun musste ich - vor etwa vier Monaten - erkennen, dass ALLES, ob Glaube, Familie, was auch immer für ein externer Notnagel für Träume, Geborgenheit, Hoffnung das nicht alleine leisten kann. Der Ruhepol muss in mir selbst liegen.
Was alles plötzlich zählt in dieser Welt. Da muss man seiner Liebsten gutes Einkommen, Geschenke, Sicherheit, Verwegenheit, guten Sex - permanent - kurz, den Super-Macker liefern und darf kaum Schwäche und wenn Gefühle, dann nur positive zeigen.
Sonst schwupp, weg, aus!
Wieso macht man sich so kaputt, wenn man sich eigentlich liebt?! Und irgendwann, wenn die eigene Energie am Ende ist, macht man dann auch mit bei dem ollen Tanz. Man verletzt, wird böse, lässt nichts mehr an sich ran und oh ja, wenn man sich liebt(e), kennt man die wunden Stellen des Anderen und drischt dann, ohne es zu wollen, immer wieder genau in diese Wunden. Um sich selbst zu schützen. Letztlich versteinert man dadurch.
… und der Mensch ist Mensch, kein Engel. Deshalb geht es nicht so einfach. Welten prallen aufeinander, wenn sich zwei Menschen sehr nahe kommen. Lieben. Das braucht Zeit, Langsamkeit und vor allem Liebe und Respekt.
Wieso nützt man sich aus? Hintergeht den Anderen, betrügt, lügt, verliert letztlich das Vertrauen. Vielleicht, weil man an sich selbst (ver)zweifelt?
Keine Schwäche zeigen, knallhart seine Wünsche einfordern, ohne Rücksicht auf Verluste. Ist das der Geist der Welt? Fressen und gefressen werden? In der Natur sicher, klar. Aber auch Tiere beschützen einander - wenn sie etwas davon haben.
Es gibt keine wirkliche Erklärung, hat sie nie gegeben, wird sie nie geben. Ob Monogamie oder Polyamorie, völlig egal. Jeder wird einen, bei der Sechssamkeit 35 andere finden, mit denen er sein Konzept umsetzen kann. Wichtig ist bei all diesen Ansätzen meiner Meinung nach die Achtsamkeit.
Nicht alles und jeder auf dieser Welt ist austauschbar, nicht alles ist machbar, auch wenn es uns Wohlstandseuropäern so vorgegaukelt wird. Klar, im Großen sind wir so wunderbar unbedeutend, davon kann ich als Raumpilot ein Liedchen singen. Wenn die Erde weg ist, wird keiner weinen (o.k. vielleicht die Austronauten auf der ISS). Es wird niemanden interessieren. Keinen Gott, keine kosmische Energie. Will man diese großen Zusammenhänge wirklich auf sein Leben übertragen? Ich grusle mich dabei. Wenn alles austauschbar, jeder Mensch ersetzbar ist.
Die Menschliche “Seele”, oder neutraler ausgedrückt, unser immaterielles Innenleben ist so vielschichtig und komplex, dass wir es ja selbst nicht einmal annäherungsweise erfassen können!
Vielleicht, im Laufe der Jahre, finden wir mehrere Puzzlesteine, erkennen die Formen und Motive, aber ganz werden wir uns selbst wohl nie kennen können. Und vielleicht ist das auch gut so.
Ich finde Menschen interessant, die meinen, alles über sich zu wissen und ich beneide zeitweise die Menschen, die sich keine Gedanken über irgendwas machen und nur so in ihrem Hamsterrad vor sich hinlaufen. Wenn es die überhaupt gibt. Nachwievor bin ich überzeugt davon, dass jeder diese Abgründe in sich trägt.
Tichy.